Festival (2)
Waltroper Parkfest: Nachberichtet
Waltrop hat gefeiert. 3 Tage Parkfest waren wieder einmal ein schönes Erlebnis - mit kleinen Unschönheiten.
31.08.2009 (2 Kommentare)
Das diesjährige Parkfest wartete wieder einmal mit einem Programm auf, dass eine gute Balance zwischen Kunst und Kommerz darstellte. So waren auf der Hauptbühne Shantel, Thomas Godoj und Max Mutzke zu bewundern, während das Zirkuszelt Freitags Reggae (Jondo, Dennis Lisk, Maxim und Nosliw) und Sonntags härtere Klänge (u.a. 4Lyn) bot. Die "Sonswas"-Bühne zeigte wieder tagsüber Kinderprogramm und abends Kabarett und Comedy.
Mich überzeugt auf dem Parkfest die Atmosphäre: Familiärer, kleinstädtischer Charakter und trotzdem ein sehenswertes Programm. Es ist für alle etwas dabei, trotzdem schaffen es die Veranstalter, eine gute Mischung und eben nicht nur glattgebügelten Mainstream zu bieten.
Natürlich muss Samstags ein "Zieher" her - und diesen haben Sie mit Thomas Godoj gefunden. Wenn auch die "WAZ" von 15.000 Zuschauern redet, sind wohl eher maximal 10.000 realistisch. Doch auch diese füllten den Platz extrem - was leider auch die Stimmung trübte. Da einige Fans schon seit 8 Uhr auf ihren "Super"-Star gewartet hatten, reagierten sie entsprechend unfreundlich auf Leute, die z.B. Mambokurt aus der Nähe sehen wollten. Schade eigentlich, und leider auch kein Aushängeschild für Godoj.
Auch überzeugte Godojs Show nicht wirklich - er wirkte unentspannt, aufgesetzt und komisch nervös, obwohl (oder weil?) es fast ein Heimspiel für ihn war. Der Höhepunkt seines Auftrittes war somit nicht er, sondern der Mensch am Didgeridoo, der mit einer faszinierenden Showeinlage Thomas eindeutig in den Schatten stellte.
Mein persönliches Highlight war Shantel am Freitag - er brachte mit "Balkan'n'Roll" die Menge zum Tanzen, Hüpfen, Mitsingen - und das mit einem Musikstil, der (noch) nicht Mainstream ist. Schade, dass die Medien sich da lieber auf die bekannteren Künstler einschießen - es ist eindeutig die größere Leistung, ohne Hype-Maschinerie im Hintergrund die Leute zu rocken.
Max Mutzke schließlich zeigte am Samstag schmusigen Soul - mir war es zu dem Zeitpunkt zu schmusig und zu sehr auf Max' Stimmtalent zurechtgeschrieben - obwohl er es echt kann!
Wir schauten uns dann "Jochen Malmsheimer" an - und lachten uns begeistert den Parkfest-Ausklang zu recht.
Als Fazit bleibt, dass das Parkfest hoffentlich weiterhin mehr auf die Mischung und "die besonderen Künstler" setzt als auf die sogenannten Großen. Man sah es schon bei Thomas Godoj, dass die Kapazität an den Grenzen war. Ich hoffe, dass da weiterhin die Philosphie bleibt, dass das Parkfest nicht zum Festival werden muss, sondern sich seine Besonderheit bewahrt, auch wenn dann auch mal auf die ein oder andere plakative Größe verzichtet werden muss.
Ruhr-Reggae-Summer: Dicke Beats, Dicke Eier
Der Ruhr-Reggae-Summer in Mülheim ist relativ schnell von einer kleinen Veranstaltung zu einem Festival mit 15000 Besuchern geworden. Trotzdem ist es noch ein sehr entspanntes und angenehmens Festival geblieben.
28.07.2009 (0 Kommentare)
Man merkt den Beteiligten - von der Crew bis zu den Künstlern - an, dass sie sich mit dem Festival verbunden fühlen und stolz darauf sind, wieviel inzwischen erreicht wurde. Das sah man auch daran, dass viele Künstler nicht sofort abgereist sind, sondern sich noch die Auftritte ihrer Kollegen anschauten oder auch mal mit auf die Bühne kamen.
Einen großen Anteil an der tollen Atmosphäre hat bestimmt die Location: Das übersichtliche Ruhrstadion einerseits, das Naturfreibad andererseits. Letzteres gehört nämlich zum Festivalgelände und hat selbstverständlich geöffnet. Gerade am Sonntag war es echt schön, sich zwischendurch abkühlen zu können.
Toll waren auch größtenteils die Besucher: Eine riesige Menge entspannter Menschen, die Spaß an der Musik haben - und mit denen man gerne feiert. Auch wenn der Anteil an Festivalprolls recht gering war: Es gab sie trotzdem. Bei einigen fragte man sich, ob sie sich einfach auf das falsche Festival verirrt hatten, andere unterlagen scheinbar der Fehleinschätzung, dass es bei Reggae sehr wichtig ist, sich mit Ganja extrem die Birne wegzuschießen. Aus letzterem ergibt sich dann häufig so eine Art Reggaefestivalproll - meistens erkennbar an einer Überzahl Tüchern, T-Shirts und albernen Mützen in Jamaicafarben.
Wo ich schon bei Menschen bin: Ältere Menschen auf Festivals ist auch so ein Thema. Toll war, dass die Altersspanne von Null bis geschätzt 90 ging. Interessant waren die Herrschaften ab 50: Da gab es die, bei denen ich dachte "so möchte ich in dem Alter auch drauf sein", zu denen auch einige altehrwürdige Rastafarians gehörten. Es gab aber auch die, bei denen man nur dachte "Ach du meine Güte". Mit 60 noch den ganzen Merchandise-Stand Körper zu haben wirkt irgendwie sehr spätpubertär.
Mein persönliches Highlight war der Auftritt von Mono und Nikitaman - die Beiden schaffen es immer wieder auf faszinierende Weise, die ganze Menge sowohl vor der Bühne zu versammeln als auch alles zum Hüpfen zu bringen. Damit haben sie selbst Shaggy noch einiges vorraus.
Apropos Shaggy: Was dieser ältere Herr abzieht, lässt sich nur als "Dicke-Eier-Reggae" bezeichnen. Er hat gut Alarm gemacht, aber prinzipiell ging es in der Show hauptsächlich um das, was uns Männern zwischen den Knien baumelt. Der Mann ist eine einzige verbale Erektion. Ich hoffe nur, dass dieses Ganze ein wenig parodistisch auf das Machogetue in der jamaikanischen und Hip-Hop Musik gedacht ist. Ansonsten warf einem Shaggy direkt alle Hits um die Ohren - leider mussten wir dann den Zug bekommen, ohne zu sehen, ob er sein Pulver verschossen hat oder ob er noch was in der Hinterhand hatte.
Weitere Favoriten waren Nosliw, Ganjaman, Uwe Banton, Jondo (den wir leider dank der Bahn nicht zu sehen bekamen).
Was mich allerdings wunderte: Gibt es irgendeine Auflage, dass keine Bläser auf die Bühnen durften? Ich fand es sehr irritierend, dass die Bläsersätze immer vom Keyboard kamen. Wobei ich da konsequent fand, die dann wenigstens von 'nem FM-Synthesizer schön künstlich klingen zu lassen, als durch Wavetable-Sounds erfolglos zu versuchen, es möglichst echt nachzuahmen. Vielleicht habe ich da eine aktuelle Entwicklung verschlafen?
Sehr schön fand ich die Sitte, dass etablierte Reggaekünstler neue Kollegen supporten. So hatte jeder der "Größeren" ein bis zwei "freshe" Gesichter mit, die zwischendurch mal ein Liedchen trällern durften. Selbst bei Shaggy ging das so. Finde ich eine tolle Sache und macht die Reggaeszene noch um einiges sympathischer.
Nach dem vielen Schönen nun ein paar Worte zum Thema Bahn: Selbige hat es nicht einmal geschafft, uns reibungslos ans Ziel zu bringen. Da wir Pussies sind, wollten wir nicht zelten sondern sind jeden Tag brav mit der Bahn von Mülheim nach Waltrop gefahren. Von den Verbindungen her war das auch kein Problem: ungefähr ein-einviertel Stunde Fahrtzeit war super. Aber: an keinem Tag hat das auch geklappt. Am Freitag fuhr der Nachtbus des letzten Teilstückes einfach nicht, am Samstag gab es unterwegs eine Verspätung, so dass wir keinen Anschluss bekamen und am Sonntag gab es dauernd Streckensperrungen und - wir kennen es schon - wir kamen weder pünktlich zum Festival noch bekamen wir den letzten Bus nach Waltrop.
Die Taxifahrer haben gut an uns verdient: Ich bin jetzt mal gespannt, ob und was wir durch die Mobilitätsgarantie vom VRR zurückbekommen.