Festival+Musik

Mit Verlaub, Frau Herman ... (Update)
(25.07.2010) Ich bin äußerst empört und erschrocken über die neuerlichen Äußerungen und Implikationen einer Ex-Nachrichtensprecherin
  • 27.01.2012 jungspund Wie lange habe ich schon kein vernünftiges Bier mehr getrunken... Zumindest nicht in ausreichenden Mengen.
  • 27.01.2012 Super. Schlüssel ins Auto geschmissen. Tür zu. Schon wieder. Ach, Nadine, wenn du mich vermisst: Es wird später.
  • 24.12.2011 Hundehaufen Hättest du auch frisch aus unserem Garten haben können während du das Bergmann Bier vorbeibringst. :-)
  • 20.12.2011 jantheofel Schau dir mal "Tasker" an. Das kann fast alles abhängig vom Standort oder anderen Faktoren auslösen.
  • 20.12.2011 Hundehaufen Jetzt erst? #tannenbaum

Festival+Musik (3)

Mit Verlaub, Frau Herman ... (Update)

Ich bin äußerst empört und erschrocken über die neuerlichen Äußerungen und Implikationen einer Ex-Nachrichtensprecherin

25.07.2010 (2 Kommentare)

In einem Artikel auf der Webseite des "Kopp-Verlages" (der scheinbar deutlich am rechts-konservativen Rand des Gedankengutes positioniert ist) schreibt Frau Herman:

Die Loveparade in Duisburg ist zu einem Sodom und Gomorrha mit katastrophalen Folgen geworden [...]  Friedliches Fest fröhlicher junger Leute? Wer die Loveparade kennt und wer der Berichterstattung am Samstagabend über mehrere Stunden im Fernsehen gefolgt ist, kommt allerdings zu einem völlig anderen Ergebnis: Dieses »friedliche Fest fröhlicher junger Menschen« ist in Wahrheit eine riesige Drogen-, Alkohol- und Sexorgie [...]

Ich muss ehrlich sagen: Ich war bisher nicht auf der Loveparade, mich interessiert die Musik schlichtweg nicht und mit großen Menschenmassen stehe ich auch auf Kriegsfuß. Sprich: Ich habe in etwa so viel Ahnung von dieser Veranstaltung, wie es wahrscheinlich Frau Herman hat. Auch ich kann mich nur auf Erzählungen und Bild-Dokumente verlassen. Aber wenn ich ins Fernsehen schaue und Bilder der Loveparaden sehe, dann sehe ich zwar hier und da einen Busen blitzen und auch "zugedröhnte" Leute - von einer Drogen-, Alkohol- und Sexorgie erwarte ich aber eigentlich mehr. Diese Pauschalisierung kann ich nicht aus den Bildern ziehen.

Ich kann es Frau Herman durchaus zugestehen, dass sie die Musik dieser Veranstaltung nicht als Musik versteht, dass sie diese Veranstaltung nicht der "Kultur" zuordnet (wobei ich persönlich denke, dass das Wesen von Kultur eben die Weiterentwicklung ist, aber bitte, soll Frau Herman doch hinter dem Berg wohnen bleiben, hinter dem sie offensichtlich eingekehrt ist).

Was mich aber wütend macht, ist die pauschale Verurteilung von den Teilnehmern!

Ich nehme mal eben meine Bibel zur Hand und schaue bei Sodom und Gomorrha nach ... ja, ich habe es richtig im Kopf: Die Menschen in Sodom und Gomorrha verhielten sich unzüchtig und wurden dafür gerichtet.

Wenn man nun die Wortwahl von Frau Herman erblickt, dann schreit mir daraus ein sehr großes "Selber schuld" draus hervor. Die Opfer dieser Katastrophe sind also lediglich für ihren Lebenswandel gerichtet worden?

Ich kann es leider nicht anders ausdrücken: Diese Anmaßung kotzt mich an! Wer sind sie Frau Herman, um über diese Menschen zu richten? Lesen Sie bitte noch einmal in Ihrer Bibel nach: Ist es da nicht Abraham, der an das Gute glaubt, und hofft, genug Menschen in Sodom und Gomorrha zu finden, die gut sind? Und sollten wir nicht seinem Beispiel folgen und eben nicht alle Menschen einer Veranstaltung pauschal zu verurteilen?

Frau Herman schreibt zum Ende:

Für die Zukunft wurden jedoch Weichen gestellt: Denn das amtliche Ende der »geilsten Party der Welt«, der Loveparade, dürfte mit dem gestrigen Tag besiegelt worden sein! Eventuell haben hier ja auch ganz andere Mächte mit eingegriffen, um dem schamlosen Treiben endlich ein Ende zu setzen. Was das angeht, kann man nur erleichtert aufatmen! Grauenhaft allerdings, dass es erst zu einem solchen Unglück kommen musste.

Ich finde das hämisch und furchtbar zynisch.

Im Affekt hätte ich Ihnen, Frau Herman, gerne gewünscht, dass über Sie gerichtet wird, wie sie es sich erlauben über andere zu richten, aber ich beruhige mich gerade zusehends. Nein, ich wünsche nur, dass Ihr medizinisch-psychologische Betreuungspersonal (auf Grund Ihrer Äußerungen vermute und hoffe ich, dass Sie professionell betreut werden) endlich die richtige Medikation einstellt.

Nachtrag I (25./29.7.2010):

Was müssen uns die 68er das Gehirn gewaschen haben, dass noch mehr Leute einer ähnlichen Meinung wie ich bin:

Ingeborg Schubiaks Blog in "Der Westen"

Offener Brief: Sehr geehrte Frau Eva Herman in "de-live"

Eva Herman zu den Duisburger Opfern: Ihr seit doch selbst schuld! in "Politblogger"

Gott straft Sünder in der "taz"

Eva Herman vermutet Gott hinter Massenpanik von Stefan Niggemeier

Nachtrag II (26.7.2010):

In einem weiteren Artikel rechtfertigt sich Frau Herman nun, und versucht Ihre Darstellung gerade zu rücken (Hervorhebungen von mir):

Mir persönlich hilft dabei die Überzeugung von der Anwesenheit unseres Schöpfers, in dessen Gesetzen und Geboten wir nun einmal leben. Dazu gehört auch, dass man sich mit dem Thema der Saat und Ernte befasst. Dass ich damit in dem Zusammenhang des Artikels nicht etwa die verstorbenen jungen Menschen persönlich meine, versteht sich von selbst. Vielmehr geht es darum, generell über den Wert oder Unwert solcher Veranstaltungen zu sprechen. Natürlich spreche ich hin und wieder über den Glauben, das gehört zur Religionsfreiheit in unserem Land ebenso wie die Meinungsfreiheit.

Nein, Frau Herman, das versteht sich nicht von selbst. Gerade durch Ihren gewählten Vergleich mit "Sodom und Gomorrha" legen Sie nahe, dass Sie die Menschen vor Ort meinen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand, der so vehement für christliche Werte eintritt, diesen Zusammenhang nicht sieht.

Sie behaupten doch am Ende Ihres Artikels, dass man nun erleichtert aufatmen könne, weil dem Treiben endlich ein Ende gesetzt ist. Sie attestieren den Teilnehmern doch pauschal übermäßigen Drogenkonsum und unzüchtiges Verhalten.

In der Bibel steht zu Sodom und Gomorrha, das Abraham nicht einmal zehn rechtschaffene Menschen finden kann, damit die Städte gerettet werden. Ich finde, wenn Sie schon den Vergleich zu Sodom und Gomorrha ziehen, dann sollten Sie sich auch der Zusammenhänge und Implikationen bewusst sein. Natürlich beschuldigen Sie so alle Teilnehmer dieser Veranstaltung - auch die Verstorbenen, Verletzten und Trauernden.

Ich gönne Ihnen Ihre Meinung, Ihre Werte, Ihre religiösen Ansichten. Ich finde es richtig und wichtig, diese zu äußern - selbst wenn sie nicht meinen Ansichten entsprechen.

Eine Grenze ist aber da überschritten, wo sie den Opfern von Umständen, die immer noch geklärt werden müssen, zynisch, hämisch und frech ins Gesicht rufen "Selbst schuld!" und dann noch behaupten, so wäre es nicht gemeint gewesen.

Waltroper Parkfest: Nachberichtet

Waltrop hat gefeiert. 3 Tage Parkfest waren wieder einmal ein schönes Erlebnis - mit kleinen Unschönheiten.

31.08.2009 (2 Kommentare)

Das diesjährige Parkfest wartete wieder einmal mit einem Programm auf, dass eine gute Balance zwischen Kunst und Kommerz darstellte. So waren auf der Hauptbühne Shantel, Thomas Godoj und Max Mutzke zu bewundern, während das Zirkuszelt Freitags Reggae (Jondo, Dennis Lisk, Maxim und Nosliw) und Sonntags härtere Klänge (u.a. 4Lyn) bot. Die "Sonswas"-Bühne zeigte wieder tagsüber Kinderprogramm und abends Kabarett und Comedy.

Mich überzeugt auf dem Parkfest die Atmosphäre: Familiärer, kleinstädtischer Charakter und trotzdem ein sehenswertes Programm. Es ist für alle etwas dabei, trotzdem schaffen es die Veranstalter, eine gute Mischung und eben nicht nur glattgebügelten Mainstream zu bieten.

Natürlich muss Samstags ein "Zieher" her - und diesen haben Sie mit Thomas Godoj gefunden. Wenn auch die "WAZ" von 15.000 Zuschauern redet, sind wohl eher maximal 10.000 realistisch. Doch auch diese füllten den Platz extrem - was leider auch die Stimmung trübte. Da einige Fans schon seit 8 Uhr auf ihren "Super"-Star gewartet hatten, reagierten sie entsprechend unfreundlich auf Leute, die z.B. Mambokurt aus der Nähe sehen wollten. Schade eigentlich, und leider auch kein Aushängeschild für Godoj.

Auch überzeugte Godojs Show nicht wirklich - er wirkte unentspannt, aufgesetzt und komisch nervös, obwohl (oder weil?) es fast ein Heimspiel für ihn war. Der Höhepunkt seines Auftrittes war somit nicht er, sondern der Mensch am Didgeridoo, der mit einer faszinierenden Showeinlage Thomas eindeutig in den Schatten stellte.

Mein persönliches Highlight war Shantel am Freitag - er brachte mit "Balkan'n'Roll" die Menge zum Tanzen, Hüpfen, Mitsingen - und das mit einem Musikstil, der (noch) nicht Mainstream ist. Schade, dass die Medien sich da lieber auf die bekannteren Künstler einschießen - es ist eindeutig die größere Leistung, ohne Hype-Maschinerie im Hintergrund die Leute zu rocken.

Max Mutzke schließlich zeigte am Samstag schmusigen Soul - mir war es zu dem Zeitpunkt zu schmusig und zu sehr auf Max' Stimmtalent zurechtgeschrieben - obwohl er es echt kann!

Wir schauten uns dann "Jochen Malmsheimer" an - und lachten uns begeistert den Parkfest-Ausklang zu recht.

Als Fazit bleibt, dass das Parkfest hoffentlich weiterhin mehr auf die Mischung und "die besonderen Künstler" setzt als auf die sogenannten Großen. Man sah es schon bei Thomas Godoj, dass die Kapazität an den Grenzen war. Ich hoffe, dass da weiterhin die Philosphie bleibt, dass das Parkfest nicht zum Festival werden muss, sondern sich seine Besonderheit bewahrt, auch wenn dann auch mal auf die ein oder andere plakative Größe verzichtet werden muss.

Ruhr-Reggae-Summer: Dicke Beats, Dicke Eier

Der Ruhr-Reggae-Summer in Mülheim ist relativ schnell von einer kleinen Veranstaltung zu einem Festival mit 15000 Besuchern geworden. Trotzdem ist es noch ein sehr entspanntes und angenehmens Festival geblieben.

28.07.2009 (0 Kommentare)

Man merkt den Beteiligten - von der Crew bis zu den Künstlern - an, dass sie sich mit dem Festival verbunden fühlen und stolz darauf sind, wieviel inzwischen erreicht wurde. Das sah man auch daran, dass viele Künstler nicht sofort abgereist sind, sondern sich noch die Auftritte ihrer Kollegen anschauten oder auch mal mit auf die Bühne kamen.

Einen großen Anteil an der tollen Atmosphäre hat bestimmt die Location: Das übersichtliche Ruhrstadion einerseits, das Naturfreibad andererseits. Letzteres gehört nämlich zum Festivalgelände und hat selbstverständlich geöffnet. Gerade am Sonntag war es echt schön, sich zwischendurch abkühlen zu können.

Toll waren auch größtenteils die Besucher: Eine riesige Menge entspannter Menschen, die Spaß an der Musik haben - und mit denen man gerne feiert. Auch wenn der Anteil an Festivalprolls recht gering war: Es gab sie trotzdem. Bei einigen fragte man sich, ob sie sich einfach auf das falsche Festival verirrt hatten, andere unterlagen scheinbar der Fehleinschätzung, dass es bei Reggae sehr wichtig ist, sich mit Ganja extrem die Birne wegzuschießen. Aus letzterem ergibt sich dann häufig so eine Art Reggaefestivalproll - meistens erkennbar an einer Überzahl Tüchern, T-Shirts und albernen Mützen in Jamaicafarben.

Wo ich schon bei Menschen bin: Ältere Menschen auf Festivals ist auch so ein Thema. Toll war, dass die Altersspanne von Null bis geschätzt 90 ging. Interessant waren die Herrschaften ab 50: Da gab es die, bei denen ich dachte "so möchte ich in dem Alter auch drauf sein", zu denen auch einige altehrwürdige Rastafarians gehörten. Es gab aber auch die, bei denen man nur dachte "Ach du meine Güte". Mit 60 noch den ganzen Merchandise-Stand Körper zu haben wirkt irgendwie sehr spätpubertär.

Mein persönliches Highlight war der Auftritt von Mono und Nikitaman - die Beiden schaffen es immer wieder auf faszinierende Weise, die ganze Menge sowohl vor der Bühne zu versammeln als auch alles zum Hüpfen zu bringen. Damit haben sie selbst Shaggy noch einiges vorraus.

Apropos Shaggy: Was dieser ältere Herr abzieht, lässt sich nur als "Dicke-Eier-Reggae" bezeichnen. Er hat gut Alarm gemacht, aber prinzipiell ging es in der Show hauptsächlich um das, was uns Männern zwischen den Knien baumelt. Der Mann ist eine einzige verbale Erektion. Ich hoffe nur, dass dieses Ganze ein wenig parodistisch auf das Machogetue in der jamaikanischen und Hip-Hop Musik gedacht ist. Ansonsten warf einem Shaggy direkt alle Hits um die Ohren - leider mussten wir dann den Zug bekommen, ohne zu sehen, ob er sein Pulver verschossen hat oder ob er noch was in der Hinterhand hatte.

Weitere Favoriten waren Nosliw, Ganjaman, Uwe Banton, Jondo (den wir leider dank der Bahn nicht zu sehen bekamen).

Was mich allerdings wunderte: Gibt es irgendeine Auflage, dass keine Bläser auf die Bühnen durften? Ich fand es sehr irritierend, dass die Bläsersätze immer vom Keyboard kamen. Wobei ich da konsequent fand, die dann wenigstens von 'nem FM-Synthesizer schön künstlich klingen zu lassen, als durch Wavetable-Sounds erfolglos zu versuchen, es möglichst echt nachzuahmen. Vielleicht habe ich da eine aktuelle Entwicklung verschlafen?

Sehr schön fand ich die Sitte, dass etablierte Reggaekünstler neue Kollegen supporten. So hatte jeder der "Größeren" ein bis zwei "freshe" Gesichter mit, die zwischendurch mal ein Liedchen trällern durften. Selbst bei Shaggy ging das so. Finde ich eine tolle Sache und macht die Reggaeszene noch um einiges sympathischer.

Nach dem vielen Schönen nun ein paar Worte zum Thema Bahn: Selbige hat es nicht einmal geschafft, uns reibungslos ans Ziel zu bringen. Da wir Pussies sind, wollten wir nicht zelten sondern sind jeden Tag brav mit der Bahn von Mülheim nach Waltrop gefahren. Von den Verbindungen her war das auch kein Problem: ungefähr ein-einviertel Stunde Fahrtzeit war super. Aber: an keinem Tag hat das auch geklappt. Am Freitag fuhr der Nachtbus des letzten Teilstückes einfach nicht, am Samstag gab es unterwegs eine Verspätung, so dass wir keinen Anschluss bekamen und am Sonntag gab es dauernd Streckensperrungen und - wir kennen es schon - wir kamen weder pünktlich zum Festival noch bekamen wir den letzten Bus nach Waltrop.

Die Taxifahrer haben gut an uns verdient: Ich bin jetzt mal gespannt, ob und was wir durch die Mobilitätsgarantie vom VRR zurückbekommen.