Projekt2010 (1)
RUHR.2010 - Strukturwandel 2.0
Im Jahr 2010 ist Essen eine der Kulturhauptstädte - und das Ruhrgebiet feiert das mit einer großen Kulturoffensive. Ich will meinen Beitrag dazu leisten und werde Kulturschaffender.
10.01.2010 (2 Kommentare)
Was meinen Freund des gepflegten Faeces Canis schon beschäftigt hat, treibt auch mich um: Es wird viel erwartet, Großartiges versprochen - was letztendlich dabei raus kommt sehen wir dann.
Das Ruhrgebiet zeigt mal wieder, in was es groß ist. Klar, das ist einerseits die viel gerühmte "Industriekultur", die inzwischen leider auch beinhaltet, dass sich jede olle Industriebrache als Kulturstandort versteht, andererseits aber auch die Stärke im Schönreden. Da Bewährtes ja auch woanders funktionieren muss, versucht jede zweite Kokerei die Kokerei Zollverein zu imitieren, die Zechen die Zeche Zollverein zu kopieren und jeder Hochofen denkt, ein paar Lämplein reingehangen und wir haben den Landschaftspark Nord aus Duisburg nach Hause geholt.
Leider führt das nicht nur zu der erwünschten Kulturvielfalt im Ruhrgebiet, sondern langsam aber sicher zur Monokultur.
Und genauso, wie "wir" Papst, Fußballweltmeisterin und irgendwie auch Obama sind, sind "wir" und nicht Essen nun Kulturhauptstadt.
Natürlich freue ich mich auf die kulturellen Highlights, die geboten werden - befürchte aber, dass Einiges auch nicht übers Mittelmaß hinauskommt.
Und ich befürchte, dass in eben dieser Selbstdarstellung des Ruhrgebietes wieder einmal der funktionierende Strukturwandel, der Schritt aus dem sekundären in den tertiären Wirtschaftssektor gepredigt wird. Und das ist leider mehr als scheinheilig. Ich zumindest habe nämlich das Gefühl, dass die Kumpel und Arbeiter, die damals in Duisburg Ruhrort, Essen und sonstwo um ihre Arbeitsplätze gebangt haben, nun mitnichten alle als Wirtschaftsberater und IT-Fachleute arbeiten. Und den Opelanern aus Bochum steht wohl auch keine großartige Karriere als Kulturschaffende bevor.
Aber vielleicht sehe ich das auch zu pessimistisch.
Und weil man ja auch nicht nur meckern soll, will ich konstruktiv sein. Ich will den Schritt in die Kulturregion mitmachen. Und ich werde mich selber, zumindest für ein Jahr, als Künstler versuchen. Das passt nämlich wunderbar zu meinen Vorsätzen in diesem Jahr (siehe demnächst in diesem Blog) und wird mein persönliches Projekt2010.