Ruhr2010+Musik+Festival+Loveparade (1)
Mit Verlaub, Frau Herman ... (Update)
Ich bin äußerst empört und erschrocken über die neuerlichen Äußerungen und Implikationen einer Ex-Nachrichtensprecherin
25.07.2010 (2 Kommentare)
In einem Artikel auf der Webseite des "Kopp-Verlages" (der scheinbar deutlich am rechts-konservativen Rand des Gedankengutes positioniert ist) schreibt Frau Herman:
Die Loveparade in Duisburg ist zu einem Sodom und Gomorrha mit katastrophalen Folgen geworden [...] Friedliches Fest fröhlicher junger Leute? Wer die Loveparade kennt und wer der Berichterstattung am Samstagabend über mehrere Stunden im Fernsehen gefolgt ist, kommt allerdings zu einem völlig anderen Ergebnis: Dieses »friedliche Fest fröhlicher junger Menschen« ist in Wahrheit eine riesige Drogen-, Alkohol- und Sexorgie [...]
Ich muss ehrlich sagen: Ich war bisher nicht auf der Loveparade, mich interessiert die Musik schlichtweg nicht und mit großen Menschenmassen stehe ich auch auf Kriegsfuß. Sprich: Ich habe in etwa so viel Ahnung von dieser Veranstaltung, wie es wahrscheinlich Frau Herman hat. Auch ich kann mich nur auf Erzählungen und Bild-Dokumente verlassen. Aber wenn ich ins Fernsehen schaue und Bilder der Loveparaden sehe, dann sehe ich zwar hier und da einen Busen blitzen und auch "zugedröhnte" Leute - von einer Drogen-, Alkohol- und Sexorgie erwarte ich aber eigentlich mehr. Diese Pauschalisierung kann ich nicht aus den Bildern ziehen.
Ich kann es Frau Herman durchaus zugestehen, dass sie die Musik dieser Veranstaltung nicht als Musik versteht, dass sie diese Veranstaltung nicht der "Kultur" zuordnet (wobei ich persönlich denke, dass das Wesen von Kultur eben die Weiterentwicklung ist, aber bitte, soll Frau Herman doch hinter dem Berg wohnen bleiben, hinter dem sie offensichtlich eingekehrt ist).
Was mich aber wütend macht, ist die pauschale Verurteilung von den Teilnehmern!
Ich nehme mal eben meine Bibel zur Hand und schaue bei Sodom und Gomorrha nach ... ja, ich habe es richtig im Kopf: Die Menschen in Sodom und Gomorrha verhielten sich unzüchtig und wurden dafür gerichtet.
Wenn man nun die Wortwahl von Frau Herman erblickt, dann schreit mir daraus ein sehr großes "Selber schuld" draus hervor. Die Opfer dieser Katastrophe sind also lediglich für ihren Lebenswandel gerichtet worden?
Ich kann es leider nicht anders ausdrücken: Diese Anmaßung kotzt mich an! Wer sind sie Frau Herman, um über diese Menschen zu richten? Lesen Sie bitte noch einmal in Ihrer Bibel nach: Ist es da nicht Abraham, der an das Gute glaubt, und hofft, genug Menschen in Sodom und Gomorrha zu finden, die gut sind? Und sollten wir nicht seinem Beispiel folgen und eben nicht alle Menschen einer Veranstaltung pauschal zu verurteilen?
Frau Herman schreibt zum Ende:
Für die Zukunft wurden jedoch Weichen gestellt: Denn das amtliche Ende der »geilsten Party der Welt«, der Loveparade, dürfte mit dem gestrigen Tag besiegelt worden sein! Eventuell haben hier ja auch ganz andere Mächte mit eingegriffen, um dem schamlosen Treiben endlich ein Ende zu setzen. Was das angeht, kann man nur erleichtert aufatmen! Grauenhaft allerdings, dass es erst zu einem solchen Unglück kommen musste.
Ich finde das hämisch und furchtbar zynisch.
Im Affekt hätte ich Ihnen, Frau Herman, gerne gewünscht, dass über Sie gerichtet wird, wie sie es sich erlauben über andere zu richten, aber ich beruhige mich gerade zusehends. Nein, ich wünsche nur, dass Ihr medizinisch-psychologische Betreuungspersonal (auf Grund Ihrer Äußerungen vermute und hoffe ich, dass Sie professionell betreut werden) endlich die richtige Medikation einstellt.
Nachtrag I (25./29.7.2010):
Was müssen uns die 68er das Gehirn gewaschen haben, dass noch mehr Leute einer ähnlichen Meinung wie ich bin:
Ingeborg Schubiaks Blog in "Der Westen"
Offener Brief: Sehr geehrte Frau Eva Herman in "de-live"
Eva Herman zu den Duisburger Opfern: Ihr seit doch selbst schuld! in "Politblogger"
Gott straft Sünder in der "taz"
Eva Herman vermutet Gott hinter Massenpanik von Stefan Niggemeier
Nachtrag II (26.7.2010):
In einem weiteren Artikel rechtfertigt sich Frau Herman nun, und versucht Ihre Darstellung gerade zu rücken (Hervorhebungen von mir):
Mir persönlich hilft dabei die Überzeugung von der Anwesenheit unseres Schöpfers, in dessen Gesetzen und Geboten wir nun einmal leben. Dazu gehört auch, dass man sich mit dem Thema der Saat und Ernte befasst. Dass ich damit in dem Zusammenhang des Artikels nicht etwa die verstorbenen jungen Menschen persönlich meine, versteht sich von selbst. Vielmehr geht es darum, generell über den Wert oder Unwert solcher Veranstaltungen zu sprechen. Natürlich spreche ich hin und wieder über den Glauben, das gehört zur Religionsfreiheit in unserem Land ebenso wie die Meinungsfreiheit.
Nein, Frau Herman, das versteht sich nicht von selbst. Gerade durch Ihren gewählten Vergleich mit "Sodom und Gomorrha" legen Sie nahe, dass Sie die Menschen vor Ort meinen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand, der so vehement für christliche Werte eintritt, diesen Zusammenhang nicht sieht.
Sie behaupten doch am Ende Ihres Artikels, dass man nun erleichtert aufatmen könne, weil dem Treiben endlich ein Ende gesetzt ist. Sie attestieren den Teilnehmern doch pauschal übermäßigen Drogenkonsum und unzüchtiges Verhalten.
In der Bibel steht zu Sodom und Gomorrha, das Abraham nicht einmal zehn rechtschaffene Menschen finden kann, damit die Städte gerettet werden. Ich finde, wenn Sie schon den Vergleich zu Sodom und Gomorrha ziehen, dann sollten Sie sich auch der Zusammenhänge und Implikationen bewusst sein. Natürlich beschuldigen Sie so alle Teilnehmer dieser Veranstaltung - auch die Verstorbenen, Verletzten und Trauernden.
Ich gönne Ihnen Ihre Meinung, Ihre Werte, Ihre religiösen Ansichten. Ich finde es richtig und wichtig, diese zu äußern - selbst wenn sie nicht meinen Ansichten entsprechen.
Eine Grenze ist aber da überschritten, wo sie den Opfern von Umständen, die immer noch geklärt werden müssen, zynisch, hämisch und frech ins Gesicht rufen "Selbst schuld!" und dann noch behaupten, so wäre es nicht gemeint gewesen.