Weihnachten+Grinch+Spenden (1)
Nachweihnachtliche Gefühle
Schon die Vorweihnachtszeit kam - dank Umzug - ohne viele weihnachtliche Gefühle aus. Und so erreichte meine Weihnachtsskepsis dieses Jahr ihren vorläufigen Höhepunkt.
28.12.2009 (1 Kommentare)
Auch wenn ich auf die naheliegensten Allgemeinplätze und Plattitüden bezüglich Weihnachten verzichten möchte ("eh' alles Kommerz") - ich kann nicht garantieren, dass ich mich komplett frei von Selbigen machen kann. Ich bitte um Verzeihung.
Als ich dieses Jahr meine LMG's einkaufen ging (es war der 23. Dezember) schlug mir das weihnachtliche Dortmund geballt entgegen. Ein Riesenbaum, um auch den letzten Holländer nach Dortmund zu locken - damit komme ich inzwischen klar. Dass Weihnachtsmärkte inzwischen einen hohen Anteil an unweihnachtlichen Fritten- und Dönerbuden haben - auch daran habe ich mich gewöhnt.
Woran ich mich aber auch in den letzten Jahren gewöhnt habe, dass sind die Gestalten am Rande der Straße. Dieses Jahr war mein Elendsschutzschild scheinbar deutlich gesenkt. Wollte ich dem Sammler für den Zirkus mit seinem Lama noch fröhlich zurufen: "Du braukst einen Wechselkurs", blieb mir das Lachen doch stecken. Überall: Menschen, die Betteln müssen.
So kam ich dazu, zu reflektieren: Wie sehr man diesem Aspekt aus dem Weg geht, wie man mit immer wieder neuen Selbsttäuschungen darüber hinwegsieht. "Ich kann doch eh' keinem nachhaltig helfen." - "Die versaufen das Geld doch nur." - aber auch der Ärger über allzu penetrante oder scheinbar drückerkollonnenähnlich organisierte Personen.
Und ich? Bin dabei, in letzter Minute Geschenke zu kaufen. Menschen, die alles haben, etwas kaufen, was sie nicht brauchen. Ich habe im Kopf überschlagen: 100€ - für bloßen Symbolismus. 100€, um Menschen zu zeigen, dass ich sie liebe - statt ihnen zu zeigen, dass ich sie liebe.
100€ : Wieviel Tage kann man davon Übernachten, Essen, Leben?
Ich war kurz davor, das für Geschenke geplante Geld dem nächsten Menschen, der es brauchen kann zu schenken. Aufgehalten wurde ich nur durch irgendwelche Nachhaltigkeitsüberlegungen. Aber: Ich bereue es. Es ist doch scheißegal, was jemand damit macht - es wäre immer besser angelegt gewesen als in irgendeinen Kitsch, den ich nun vorhatte zu kaufen.
Ich weiß: Die Weihnachtszeit ist eine Zeit der Sentimentalität, eine Zeit, in der die Spendenbereitschaft sprunghaft ansteigt. Und auch ich reihe mich gerade in diesen Reigen ein. Ich erzähle hier bestimmt nichts Neues.
Und Spenden, gerade die kleinen 1€ Spendchen in der Stadt haben auch immer was von "Freikaufen".
Ich will mich nicht mehr freikaufen. Ich will nicht irgendwem ein paar Euro in die Hand drücken, nur damit ich mit gutem Gewissen meinen Scheiß weitermachen kann. Ich habe eine Idee, einen Vorsatz.
Ich will nichts mehr geschenkt. Dinge, die ich nicht brauche sind rausgeschmissenes Geld. Und Dinge, die ich brauche, kaufe ich mir sowieso lieber selbst.
Ich schenke nichts mehr. Den Gegenwert dessen, was ich schenken würde, spende ich lieber.
Ich höre schon: "Das ist ja so 80ger"! Na und? Scheiß der Hund drauf. Nur weil eine Idee uralt ist ist sie nicht unbedingt schlecht.
Ich werde mich informieren, welche Spenden wo am direktesten, nachhaltigsten und sinnvoll sind. Ich werde gespannt ins neue Jahr gehen, sehen, wie meine Mitwelt darauf reagiert, wenn sie statt einem Geschenk eine Spendenquittung bekommt.
Ich habe nichts gegen Weihnachten. Ich habe nichts gegen Geschenke. Und ich werde auch weiterhin Geschenke machen. Aber ich werde nicht mehr irgendetwas schenken, nur um irgendetwas zu schenken. Ich glaube sogar, dass es Leute in meinem Umfeld gibt, die sich mehr über den Besuch, das berühmte "Selbstgebastelte", die Einladung und so weiter freuen.